An
Fanny Becker, Kurt Hilger,
gewidmet

Gedichte
von
Hermann Hesse
[1877-1962]

    Bekenntnis Bitte Einem
    Freunde
    Im Nebel
    Philosophie Rat Stufen Wir leben hin
    Risse Zu Spät Nocturne Liebe
    Der Schmetterling Abendwolken Oft ist das Leben Herbstbeginn
    Kennst du das auch? Dunkelste Stunden Altwerden Jeden Abend
    Regentage Verzückung Nacht im Odenwald Spruch
    Frühling
    Spring
    auf Englisch
    September Beim Schlafengehen
    September
    auf Englisch
    Going to Sleep
    auf Englisch
    Transfigured Night
    A poem by
    Richard Dehmel
    Verklärte Nacht
    Ein Gedicht von
    Richard Dehmel




    Bekenntnis

    Holder Schein, an deine Spiele
    Sieh mich willig hingegeben;
    Andre haben Zwecke, Ziele,
    Mir genügt es schon, zu leben.

    Gleichnis will mir alles scheinen,
    Was mir je die Sinne rührte,
    Des Unendlichen und Einen,
    Das ich stets lebendig spürte.

    Solche Bilderschrift zu lesen,
    Wird mir stets das Leben lohnen,
    Denn das Ewige, das Wesen,
    Weiß ich in mir selber wohnen.



    Liebe

    Wieder will mein froher Mund begegnen
    Deinen Lippen, die mich küssend segnen,
    Deine lieben Finger will ich halten
    Und in meine Finger spielend falten,
    Meinen Blick an deinem dürstend füllen,
    Tief mein Haupt in deine Haare hüllen,
    Will mit immerwachen jungen Gliedern
    Deiner Glieder Regung treu erwidern
    Und aus immer neuen Liebesfeuern
    Deine Schönheit tausendmal erneuern,
    Bis wir ganz gestillt und dankbar beide
    Selig wohnen über allem Leide,
    Bis wir Tag und Nacht und Heut und Gestern
    Wunschlos grüßen als geliebte Schwestern,
    Bis wir über allem Tun und Handeln
    Als Verklärte ganz im Frieden wandeln.




    Der Schmetterling

    Mir war ein Weh geschehen,
    Und da ich durch die Felder ging,
    Da sah ich einen Schmetterling,
    Der war so weiß und dunkelrot,
    Im blauen Winde wehen.

    Oh du! In Kinderzeiten,
    Da noch die Welt so morgenklar
    Und noch so nah der Himmel war,
    Da sah ich dich zum letztenmal
    Die schönen Flügel breiten.

    Du farbig weiches Wehen,
    Das mir vom Paradiese kam,
    Wie fremd muß ich und voller Scham
    Vor deinem tiefen Gottesglanz
    Mit spröden Augen stehen!

    Feldeinwärts ward getrieben
    Der weiß' und rote Schmetterling,
    Und da ich träumend weiterging,
    War mir vom Paradiese her
    Ein stiller Glanz geblieben.



    Zu Spät

    Altmodisch steht mit schmächtigen Pilastern
    Wie sonst das Schloß. Auf violetten Astern
    Irrt noch ein später Falter her und hin
    Mit krankem Flügelschlagen,
    Und welke Beete sagen,
    Daß ich zu spät gekommen bin.

    Und am Balkon in seidenen Gewändern,
    Mit stolzen Augen in vertrübten Rändern,
    Steht trüb und stolz die blasse Königin,
    Und will die Hand erheben,
    Und kann mir nicht vergeben,
    Daß ich zu spät gekommen bin.



    Wir leben hin


    Wir leben hin in Form und Schein
    Und ahnen nur in Leidestagen
    Das ewig wandellose Sein,
    Von dem uns dunkle Träume sagen.

    Wir freuen uns an Trug und Schaum,
    Wir gleichen führelosen Blinden,
    Wir suchen bang in Zeit und Raum,
    Was nur im Ewigen zu finden.

    Erlösung hoffen wir und Heil
    In wesenlosen Traumesgaben -
    Da wir doch Götter sind und teil
    Am Urbeginn der Schöpfung haben.



    Risse

    Ich hatte eine seltne Violine
    Mit wunderbar gebräunten, blanken, starken
    Wänden und lichten,
    Echten, uralten Zargen.
    Nur schräg im Boden,
    sichtbar keinem Laien,
    Zog sich ein Riß und gab den edlen Tönen
    Ein seltsam hartes,
    Verwundetes, krankes Stöhnen.
    Krähn können auch die Raben.
    Wer klingen will,
    Wer Lieder singen will,
    Darf keine Risse haben.



    Abendwolken

    Was so ein Dichter sinnt und treibt,
    Sich Reim und Vers ins Büchlein schreibt,
    Manch einem scheint es ohne Kern,
    Doch Gott versteht's und duldet's gern.

    Er selber, der die Welt ermißt,
    Zuzeiten auch ein Dichter ist,
    Und wenn das Abendläuten ruft,
    Greift er wie träumend in die Luft,
    Baut sich zum Feierabendspiel
    Zartgoldene Wölklein schön und viel,
    Läßt sie an Bergesrändern säumen
    Und rot im Abendglanz erschäumen.
    Und manche, die ihm wohl gelang,
    Die leitet er und hütet lang,
    Daß sie, die fast aus nichts gemacht,
    Am Himmel ruht und selig lacht.
    Und die nur Tand und Reimwerk schien,
    Wird nun ein Zauber und Magnet
    Und zieht der Menschen Seelen hin
    Zu Gott in Sehnsucht und Gebet.
    Der Schöpfer lächelt und erwacht
    Vom kurzen Traum, das Spiel verglüht,
    Und aus der kühlen Ferne blüht
    Herauf die friedevolle Nacht.
    Nur daß aus Gottes reiner Hand,
    Sei's auch im Spiel, jedwedes Bild
    Vollkommen, schön und selig quillt,
    Wie es kein Dichter je erfand.

    Mag denn dein irdisch Lied bedeuten
    Ein schnell vertönend Abendläuten,
    Darüber hin, im Licht entbrannt,
    Die Wolken wehen aus Gottes Hand.




    Rat

    Nein, Junge, suche du allein

    Den Weg und laß mich weitergehen!
    Mein Weg ist weit und mühevoll
    Und führt durch Dornen, Nacht und Wehen.
    Geh lieber mit den andern dort!
    Der Weg ist glatt und viel betreten,
    Ich will in meiner Einsamkeit
    Auch fürder einsam sein und beten.
    Und siehst du mich auf Bergen stehen,
    Beneid mich nicht um meine Flügel!
    Du wähnst mich hoch und himmelnah -
    Ich seh, der Berg war nur ein Hügel.


    Herbstbeginn

    Der Herbst streut weiße Nebel aus,
    Es kann nicht immer Sommer sein!
    Der Abend lockt mit Lampenschein
    Mich aus der Kühle früh ins Haus.

    Bald stehen Baum und Garten leer,
    Dann glüht nur noch der wilde Wein
    Ums Haus, und bald verglüht auch der,
    Es kann nicht immer Sommer sein.

    Was mich zur Jugendzeit erfreut,
    Es hat den alten frohen Schein
    Nicht mehr und freut mich nimmer heut -
    Es kann nicht immer Sommer sein.

    O Liebe, wundersame Glut,
    Die durch die Jahre Lust und Mühn
    Mir immer hat gebrannt im Blut -
    O Liebe, kannst auch du verglühn?


    Nocturne

    Chopins Nocturne Es-dur. Der Bogen
    Des hohen Fensters stand voll Licht.
    Auch deinem ernsten Angesicht
    War eine Glorie angeflogen.
    In keiner Nacht hat so mich wieder
    Der stille Silbermond berührt,
    Daß ich im Innersten verspürt
    Unnennbar süß ein Lied der Lieder.
    Du schwiegst. Auch ich; die stumme Ferne
    Verrann im Licht. Kein Leben war
    Als nur im See ein Schwänepaar
    Und über uns der Lauf der Sterne.
    Du tratest in den Fensterbogen,
    Um deine ausgestreckte Hand
    War dir vom Mond ein Silberrand
    Und um den schmalen Hals gezogen.




    Einem Freunde

    Wie kommt es, daß du mich verstehst,
    Wenn ich die Sprache meiner Heimat rede,
    Die doch so weit jenseits der Meere liegt?
    Und wenn ich still zu meinen Göttern bete,
    Daß du unsichtbar bei mir stehst
    Und deine Freundeshand in meiner liegt?
    Auch fühl ich oft mit weichem Strich
    Beim Geigen deine Hand mich rühren,
    Und wenn ich krank bin, ängstet´s mich,
    Du möchtest meine Leiden spüren.



    Kennst du das auch?

    Kennst du das auch, daß manchesmal
    Inmitten einer lauten Lust,
    Bei einem Fest, in einem frohen Saal,
    Du Plötzlich schweigen und hinweggehn mußt?

    Dann legst du dich aufs Lager ohne Schlaf
    Wie Einer, den ein plötzlich Herzweh traf;
    Lust und Gelächter ist verstiebt wie Rauch,
    Du weinst, weinst ohne Halt - Kennst du das auch?


    Bitte

    Wenn du die kleine Hand mir gibst,

    Die so viel Ungesagtes sagt,
    Hab ich dich jemals dann gefragt,
    Ob du mich liebst?
    Ich will ja nicht, daß du mich liebst,
    Will nur, daß ich dich nahe weiß
    Und daß du manchmal stumm und leis
    Die Hand mir gibst.




    Oft ist das Leben

    Oft ist das Leben lauter Licht
    Und funkelt freudefarben
    Und lacht und fragt nach denen nicht,
    Die litten, die verdarben.
    Doch immer ist mein Herz bei denen,
    Die Leid verhehlen
    Und sich am Abend voller Sehnen
    Zu weinen in die Kammer stehlen.

    So viele Menschen weiß ich,
    Die irren leidbeklommen,
    All ihre Seelen heiß ich
    Mir Brüder und willkommen.

    Gebückt auf nasse Hände
    Weiß ich sie abends weinen,
    Sie sehen dunkle Wände
    Und keine Lichter scheinen.

    Doch tragen sie verborgen,
    Verirrt, und wissen's nicht,
    Durch Finsternis und Sorgen
    Der Liebe süßes Licht.



    Philosophie

    Vom Unbewußten zum Bewußten,
    Von da zurück durch viele Pfade
    Zu dem, was unbewußt wir wußten,
    Von dort verstoßen ohne Gnade
    Zum Zweifel, zur Philosophie,
    Erreichen wir die ersten Grade
    Der Ironie.
    Sodann durch emsige Betrachtung,
    Durch scharfe Spiegel mannigfalt
    Nimmt uns zu frierender Umnachtung
    In grausam eiserne Gewalt
    Die kühle Kluft der Weltverachtung.
    Die aber lenkt uns klug zurück
    Durch der Erkenntnis schmalen Spalt
    Zum bittersüßen Greisenglück
    Der Selbstverachtung.



    Dunkelste Stunden

    Das sind die Stunden, die wir nicht begreifen!
    Sie beugen uns in Todestiefen nieder
    Und löschen aus, was wir von Trost gewußt,
    Sie reißen uns geheimgehaltene Lieder
    Mit blutend wunden Wurzeln aus der Brust.

    Und doch sind das die Stunden, deren Last
    Uns Stille lehrt und innerlichste Rast
    Und die zu Weisen uns und Dichtern reifen.




    Altwerden

    All der Tand, den Jugend schätzt,
    Auch von mir ward er verehrt,
    Locken, Schlipse, Helm und Schwert,
    Und die Weiblein nicht zuletzt.

    Aber nun erst seh ich klar,
    Da für mich, den alten Knaben,
    Nichts von allem mehr zu haben,
    Aber nun erst seh ich klar,
    Wie dies Streben weise war.

    Zwar vergehen Band und Locken
    Und der ganze Zauber bald;
    Aber was ich sonst gewonnen,
    Weisheit, Tugend, warme Socken,
    Ach, auch das ist bald zerronnen,
    Und auf Erden wird es kalt.

    Herrlich ist für alte Leute
    Ofen und Burgunder rot
    Und zuletzt ein sanfter Tod -
    Aber später, noch nicht heute.




    Jeden Abend

    Jeden Abend sollst du deinen Tag
    Prüfen, ob er Gott gefallen mag,
    Ob er freudig war in Tat und Treue,
    Ob er mutlos lag in Angst und Reue;
    Sollst die Namen deiner Lieben nennen,
    Haß und Unrecht still vor dir bekennen,
    Sollst dich alles Schlechten innig schämen,
    Keinen Schatten mit ins Bette nehmen,
    Alle Sorgen von der Seele tun,
    Daß sie fern und kindlich möge ruhn.
    Dann getrost in dem geklärten Innern
    Sollst du deines Liebsten dich erinnern,
    Deiner Mutter, deiner Kinderzeit;
    Sieh, dann bist du rein und bist bereit,
    Aus dem kühlen Schlafborn tief zu trinken,
    Wo die goldnen Träume tröstend winken,
    Und den neuen Tag mit klaren Sinnen
    Als ein Held und Sieger zu beginnen.



    Im Nebel

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Einsam ist jeder Busch und Stein,
    Kein Baum sieht den andern,
    Jeder ist allein.

    Voll von Freunden war mir die Welt,
    Als noch mein Leben licht war;
    Nun, da der Nebel fällt,
    Ist keiner mehr sichtbar.

    Wahrlich, keiner ist weise,
    Der nicht das Dunkel kennt,
    Das unentrinnbar und leise
    Von allen ihn trennt.

    Seltsam, im Nebel zu wandern!
    Leben ist Einsamsein.
    Kein Mensch kennt den andern,
    Jeder ist allein.



    Stufen

    Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
    Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
    Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
    Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
    Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
    Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
    Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
    In andre, neue Bindungen zu geben.
    Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
    Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

    An keinem wie an einer Heimat hängen,
    Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
    Er will uns Stuf' um Stufe heben, weiten.
    Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
    Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
    Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
    Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

    Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
    Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
    Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden...
    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!




    Regentage

    Der scheue Blick an allen Enden
    Stößt sich an grauen Wänden,
    Und >>Sonne<< ist nur noch ein leeres Wort.
    Die Bäume stehn und frieren naß und nackt,
    Die Frauen gehn in Mäntel eingepackt,
    Und Regen rauscht unendlich fort und fort.

    Einst als ich noch ein Knabe war,
    Da stand der Himmel immer blau und klar
    Und alle Wolken waren goldgerändert;
    Nun seit ich älter bin,
    Ist aller Glanz dahin,
    Der Regen rauscht, die Welt hat sich verändert.




    Verzückung

    Biegt sich in berauschter Nacht
    Mir entgegen Wald und Ferne,
    Atm ich Blau und kühle Sterne
    Und der Träume wunde Pracht,
    O dann liegt die trunkne Welt
    Wie ein Weib an meinem Herzen,
    Lodert in verzückten Schmerzen,
    Deren Schrei betörend gellt.
    Und aus fernsten Tiefen her
    Tiergestöhn und Flügelschlagen,
    Nachklang aus verschollnen Tagen
    Grüner Jugendzeit am Meer,
    Opferschrei und Menschenblut,
    Feuertod und Klosterzelle,
    Alles meines Blutes Welle,
    Alles heilig, alles gut!
    Nichts ist außen, nichts ist innen,
    Nichts ist unten, nichts ist oben,
    Alles Feste will zerinnen,
    Alle Grenzen sind zerstoben.
    Sterne gehn in meiner Brust,
    Seufzer gehn am Himmel unter,
    Jedes Leben Herz und Lust
    Brennt entzückter, flackert bunter,
    Jeder Rausch ist mir willkommen,
    Offen steh ich jeder Pein,
    Ströme betend, hingenommen
    Mit ins Herz der Welt hinein.




    Nacht im Odenwald

    Es schlug vom Turm die Mitternacht.
    Was ist's, daß ich so jäh erwacht?
    Was pocht in wunderlichem Schmerz
    Noch halb im Traume mir das Herz?

    Rings Stille. Keines Windes Hauch,
    Kein Tier noch Vogel lebt im Strauch,
    Durchs Fenster mit verhaltnem Schein
    Der bleiche Himmel sieht herein.

    Da bricht, des Traumes noch bewußt,
    Ein Schluchzen mir aus weher Brust.
    Derweil ich schlief, ging bleich und stumm
    Der alten Liebe Schatten um.




    Spruch

    So mußt du allen Dingen
    Bruder und Schwester sein,
    daß sie dich ganz durchdringen,
    Daß du nicht scheidest Mein und Dein.

    Kein Stern, kein Laub soll fallen -
    Du mußt mit ihm vergehn!
    So wirst du auch mit allen
    Allstündlich auferstehn.




    Frühling

    In dämmrigen Grüften
    träumte ich lang
    von dein Bäumen und blauen Lüften,
    von deinem Duft und Vogelsang.

    Nun liegst du erschlossen
    in Gleiss und Zier
    von Licht übergossen
    wie ein Wunder vor mir.

    Du kennst mich wieder,
    du lockst mich zart,
    es zittert durch all meine Glieder
    deine selige Gegenwart!




    Spring

    In dusky hollows
    I long dreamed
    of your trees and blue skies,
    of your fragrance and bird song.

    Now you stand revealed
    in glitter and glory,
    flooded with light,
    like a miracle.

    You recognize me,
    and gently beckon;
    my whole body trembles
    with your holy presence!



    September

    Der Garten trauert,
    kühl sinkt in die Blumen der Regen.
    Der Sommer schauert
    still seinem Ende entgegen.

    Golden tropft Blatt um Blatt
    nieder vom hohen Akazienbaum.
    Sommer lächelt erstaunt und matt
    in den sterbenden Gartentraum.

    Lange noch bei den Rosen
    bleibt er stehn, sehnt sich nach Ruh,
    langsam tut er
    die müdgeword'nen Augen zu.




    Beim Schlafengehen


    Nun der Tag mich müd' gemacht,
    soll mein sehnliches Verlangen
    freundlich die gestirnte Nacht
    wie ein müdes Kind empfangen.

    Hände, lasst von allem Tun,
    Stirn, vergiss du alles Denken,
    alle meine Sinne nun
    wollen sich in Schlummer senken.

    Und die Seele unbewacht
    will in freien Flügen schweben,
    um im Zauberkreis der Nacht
    tief and tausendfach zu leben.


    September

    The garden is in mourning:
    the rain falls cool among the flowers.
    Summer shivers quietly
    on its way toward its end.

    Golden leaf after leaf
    falls from the tall acacia.
    Summer smiles, astonished, feeble,
    in this dying dream of a garden.

    For a long while, yet, in the roses
    she will linger on, yearning for peace,
    and slowly
    close her weary eyes.

    Going to Sleep


    Now that day wearies me,
    my yearning desire
    will receive more kindly,
    like a tired child, the starry night.

    Hands, leave off your deeds,
    mind, forget all thoughts;
    all of my forces
    yearn only to sink into sleep.

    And my soul, unguarded,
    would soar on widespread wings,
    to live in night's magical sphere
    more profoundly, more variously.



    Since 30 Jan 1998

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